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Tägliches Leben in Kamerun

Ernährungssituation in Kamerun

Die Lebensbedingungen sind innerhalb Kameruns sehr unterschiedlich, wobei der Norden deutlich benachteiligt ist und die Bevölkerung dort am Ende der Trockenzeit unter Mangelernährung und Hunger leidet. Dem Welternährungsbericht 2000 zufolge, der von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen "FAO" erstellt wurde, leiden 29% der kamerunischen Gesamtbevölkerung (ca. 4,1 Millionen Menschen) an Unterernährung mit einem durchschnittlichen Nahrungsdefizit von 260 kcal. Der minimale Energiebedarf wurde auf 1850 kcal pro Person und Tag festgesetzt.

Die Menschen ernähren sich von dem, was sie selbst produzieren können. Die Hauptprodukte des Landes sind Mais, Hirse, Maniok, Erdnüsse, Yams und Kochbananen. Die meisten Dorfbewohner können sich den Luxus von Fleisch, vorwiegend Hähnchen- und Rindfleisch, oder Fisch nicht oder nur sehr selten leisten. Beliebte Zwischenmahlzeiten sind rohes Zuckerrohr, gekochte Eier, gegrillter Mais, frisches Obst und Nüsse. Bier ist in ganz Kamerun ein sehr beliebtes Getränk und dient gelegentlich auch als Wasserersatz. Im Norden des Landes wird sogar aus Hirse Bier gebraut.

Die Frauen nehmen die Mahlzeiten oft getrennt von den Männern ein. Sie sitzen in einer Gruppe zusammen an der Feuerstelle, an der auch gemeinsam gekocht wurde. Die Herdstelle besteht aus mehreren Steinen auf dem Boden zwischen denen das Holz angezündet wird. Diese traditionelle Art des Kochens geschieht auch in den Städten des Nordens, in denen es elektrischen Strom gibt. So werden in der Provinzhauptstadt Maroua (ca. 200.000 Einwohner) jedes Jahr etwa 37.000 Tonnen Brennholz verbraucht und das am Rande der Sahelzone in einem Land, das keine nachhaltige Forstwirtschaft betreibt!

Die Speisen werden von den Frauen in großen Schüsseln serviert, aus denen sich jeder mit der rechten Hand bedient. Vor und nach den Mahlzeiten reicht man Wasser zum Waschen der Hände. Flaschen werden immer in Sichtweite derjenigen Personen, für die der Inhalt bestimmt ist, geöffnet. Von den anwesenden Gästen wird aus Höflichkeit erwartet, dass man reichlich isst und man mehrmals zum Buffet geht, um von allen angebotenen Speisen zu kosten. 

Wasserversorgung in Kamerun

In Kamerun beträgt der Trinkwasserversorgungsgrad im Landesdurchschnitt 35 %. Staatliches Ziel für das Jahr 2000 war, eine Wasserversorgung jedes Einwohners von 25 Liter je Tag zu erreichen und für etwa 300 - 500 Einwohner je eine saubere Trinkwasserstelle zu schaffen. Das Ziel wurde nicht erreicht.

So muss sich der Großteil der Bevölkerung das Wasser aus Flüssen, Seen oder Wasserlöchern holen. In Mogodé z.B. gibt es nur einen einzelnen Brunnen am Ortseingang mit schwachem Wasserausstoß, der die 186 Familien nicht ausreichend versorgen kann. Hier öffnet man den Brunnen 2 Tage die Woche, schöpft alles Wasser ab, was sich angesammelt hat und schließt ihn dann wieder für den Rest der Woche. Für frisches Wasser aus dem nächst gelegenen Brunnen sind Fußmärsche von bis zu 20 km notwendig, und das bei Temperaturen von über 40 °C im Schatten während der Trockenzeit.

Die Bevölkerung von Bibeme versorgt sich mit Wasser aus Flüssen. Im Zentrum gibt es zwar einen Brunnen für das Militär und die Behörden; die Bevölkerung hat aber nur selten Zugang und der kleinste Verdacht der Wasserverschwendung wird mit schwerer Bedrohung der Bevölkerung durch die Sicherheitskräfte geahndet.

So geht es vielen kleinen Dörfern im ländlichen Norden Kameruns. Durch die fortschreitende Desertifizierung sinkt zudem der Grundwasserspiegel, so dass schlimmstenfalls sogar einzelne Dörfer aufgegeben werden müssen, weil an kein Wasser mehr heranzukommen ist.

Für einen Brunnen von mindestens 15m Tiefe belaufen sich die Kosten zwischen 750 € und 1.500 € in einfachem Boden und zwischen 1.500 € und 2.250 € in felsigem Gelände, bei wenigen hundert Euro Jahreseinkommen.

Kleidung

Die Mode ist ein sehr schnell wechselndes Phänomen; sie kann eine Frage des Stils, der Zeit oder der Kultur sein. Sie bringt nicht nur eine Art und Weise, sich anzuziehen zum Ausdruck, sondern ist gleichermaßen der Ausdruck des geistigen Zustands einer Kulturbewegung. Kamerun gilt als Afrika en miniature und daher besticht seine weibliche Mode durch einen gewissen Reichtum; ein Reichtum, der seine Wurzeln in den verschiedenen Traditionen seiner Bevölkerung, aber auch in der abendländischen Mode findet.

Die kamerunische Mode internationalisiert sich. Kamerunische Modeschöpfer veranstalten Modenschauen oder treten auf internationalen Veranstaltungen auf. 

Altkleidersituation in Kamerun

Der Markt für Altkleider ist in den letzten Jahren buchstäblich explodiert. Der Hauptgrund hierfür sind die hohen Gewinnspannen der Importeure.

Die Altkleider sind zum größten Teil europäischen Ursprungs. Die Importwege sind direkt, die Container kommen im Hafen von Douala an, wo sie zu immer dem gleichen Preis von rd. 1 € pro Kilo verzollt werden.

Das Angebot an Altkleidern entspricht der Erfordernis, sich so preiswert wie möglich einzu-kleiden in einem Land, in dem das BIP pro Kopf bei knapp 800 € pro Jahr liegt. So betragen die Kosten für eine Altkleider-Jeans mittlerer Qualität auf allen kamerunischen Märkten zwischen 2,50 und 7,50 €, für ein Baumwollkleid zwischen 1,50 und 3 € pro Stück.

Der Handel mit Altkleidern verschafft den europäischen Sortierern/Verpackern beträchtliche Gewinnspannen, führt aber in den Bestimmungsländern zum Untergang des Sektors der Konfektionsbekleidung. Letztlich verblieb unter sehr schwierigen Bedingungen nur der sehr begrenzte Markt für Arbeits- und Schulkleidung.

Daneben haben die Altkleider zu einer dramatischen kulturellen Verarmung geführt, denn sie hat die Bekleidungsgewohnheiten verändert, d.h. es hat sich ein europäischer Bekleidungsstil entwickelt, und dies zum Nachteil rein afrikanischer Kreationen.

Die Altkleider sind zudem eine Art Zwischenträger für den Import von Waren geworden, die einer hohen Importsteuer unterliegen (insbesondere Alkohol), und genau bei diesen Artikeln werden unzulässigerweise kolossal hohe Margen erzielt.

Ein großer Teil der importierten Altkleider dient als Verpackung für Alkohol oder EDV-Mikroartikel. Dieser Umstand erklärt auch den enormen Umfang an deklarierter Altkleidung (1,6 kg pro Einwohner), der bei weitem die Aufnahmefähigkeit des Marktes übersteigt; dabei spielt die bei der Altkleidung erzielte Gewinnmarge nur eine untergeordnete Rolle.

Der Handel mit Altkleidern ist somit im Wesentlichen ein mafioses Geschäft.

Das Schulsystem in Nordkamerun bzw. Nordrhein-Westfalen 

Im Norden Kameruns gilt das französische Schulsystem, bei dem die Schüler nach der Grundschule das , eine Art Gesamtschule, besuchen. Im Anschluss daran können die Jugendlichen - ähnlich wie in Deutschland - eine Ausbildung, eine Art Fachabitur am oder das machen, was dem deutschen Abitur entspricht. Vereinfacht dargestellt ergibt sich das folgende Schema:

 

 

 

 

Abitur

 

 

le baccalauréat

 

Gymnasium bzw.

gymnasiale Oberstufe

13  (19 Jahre)

Klasse 12

Lycée

 

11

10

 

   Sekundar-   abschluss

 

 

        le brevet    des collèges

 

 

 

 

Gymnasium oder

Realschule oder

Hauptschule oder

Gesamtschule

10

9

Collège

 

 

 

 

 

6

 

 

 

 

 

5

 

 

 

 

5

École primaire

 

 

 

 

Grundschule

4

 

 

 

1

 

1 (6 Jahre)

 

 

 

 

 

 

 

 

In beiden Ländern kommen die Kinder mit etwa 6 Jahren in die Schule, doch besuchen die Kinder in Kamerun, sofern möglich, vom 3. bis 5. Lebensjahr die Vorschule.

 

 

École maternelle

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Soweit die Theorie. In der Praxis sieht es in Nordkamerun anders aus, denn nur in den größeren Städten gibt es weiterführende Schulen und längst nicht alle Dörfer haben Grundschulen, so dass die Analphabetenrate ca. 26 % beträgt (die Verteilung des Analphabetentums ist allerdings regional und unter den Generationen sehr unterschiedlich verteilt: im ländlichen Raum zählen rund 90 % der erwachsenen Frauen und 75 % der erwachsenen Männer als Analphabeten). Auch sind viele Eltern nicht in der Lage, für die weiterführenden Schulen das Schulgeld zu bezahlen. An den privaten Grundschulen müssen die Eltern ebenfalls Schulgeld bezahlen (bei der von uns besuchten Schule ca. 25 € im Schuljahr, bei wenigen hundert Euro Jahreseinkommen), doch sind hier die Lernbedingungen besser als an den staatlichen Schulen, in denen Klassenstärken von 70 bis 120 Schülern die Regel sind, bei den privaten sind es 30 bis 60 Schüler.

Insgesamt geht im Grand Nord ein recht hoher Prozentsatz an Kindern zur Schule. Das ist der Erfolg eines UNESCO-Programms, welches viele Eltern von der Wichtigkeit der Bildung ihrer Kinder überzeugt hat. Ein Problem ist die Beschaffung von Schulbüchern durch die Eltern. UNICEF hat dem Staat Schulbücher umsonst gegeben, die aber über Buchhandlungen oder Straßenhändler verkauft werden, obwohl "Verkauf verboten" eingedruckt ist. Zudem wechselt der Staat ständig die Lehrbücher und zwingt die privaten Schulen mitzuziehen, wenn sie denn anerkannt bleiben wollen.

Häufig mangelt es in den Schulen an Ausrüstung, wie Schulbänken, Tafeln, farbiger Kreide etc., selbst am wurden die Schüler in Klassen ohne Strom unterrichtet. Bei der besuchten Schule hat nur die Toiletten, die anderen Kinder gehen in die umliegenden Büsche. Den Kindern, die oben in der Kirche und im Gemeinderaum unterrichtet werden, stehen die Toiletten der Kirche zur Verfügung, die sie auch selber sauber halten müssen. In einem kleinen Dorf wurden alle Schüler der ersten vier Klassen in der noch recht jungen Schule in einem Raum gleichzeitig unterrichtet.

 

Frauen in Kamerun

Die Frauen in Kamerun leben im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne. Einige Frauen, insbesondere die, die in den Städten leben, haben sich bereits an ein modernes Leben gewöhnt. Viele Frauen in den Dörfern sind dagegen noch fest in der Tradition verwurzelt, sie sind für die Kindererziehung, die Feldarbeit und für die Hausarbeit zuständig.

Eine Frauengruppe in einem kleinen Dorf bei Garoua wünscht sich eine Maismühle. Manchmal gebe es den ganzen Tag kein Essen, weil nicht genug Mais gestampft werden könne. Die Frauen hätten so viel zu tun. Auf Nachfrage unsererseits, was denn die Männer machen, ob sie nicht auch den Mais stampfen könnten, erhielten wir schallendes Gelächter als Antwort: Nein, das sei nun einmal in der afrikanischen Gesellschaft so, dass die Frauen alle Arbeit leisten und es sei nicht denkbar, dass ein Mann im Haushalt helfe. Diese Aussage wird dann allerdings etwas relativiert, als man erklärt, dass die Männer eben auch auf dem Feld arbeiten würden, in den Tätigkeiten, die für Frauen zu schwer seien; Männer würden beispielsweise die Felder für den Anbau vorbereiten.

Früher waren Frauen sehr von den Männern abhängig. So mussten sie z. B. für alle Aktivitäten eine Erlaubnis des Mannes haben. Dies wurde inzwischen per Dekret des Präsidenten abgeschafft. Aber auch sonst gibt es eine Veränderung in der Gesellschaft, die allerdings nur sehr schleichend vor sich geht. So gibt es beispielsweise seit kurzem Pfarrerinnen in Kamerun. Derzeit sind es allerdings erst sehr wenige, 5 Pfarrerinnen in ganz Kamerun. Mehr und mehr setzt sich aber die Einsicht durch, dass auch Frauen, die "das Licht gesehen haben", predigen sollten.

Die traditionellen Verhaltensweisen machen besonders Witwen zu schaffen. Eine Witwe erzählte, wie sehr sie gemieden wurde und wird, weil sie sich der traditionellen Rolle, nach der eine Witwe jemanden aus der Verwandtschaft des Mannes heiraten muss, widersetzt hat. Dagegen wird - von einem Mann - gehalten, dass viele Frauen es als eine Absicherung ihres Lebens sähen, wenn die Familie des Mannes sich weiter ihrer annimmt.

Eine wichtige Rolle auf dem Weg von der Tradition zur Moderne spielt die Frauenhilfe in Kamerun (UFC). In ihr organisieren sich die Frauen, um gemeinsam ihre Zeit zu verbringen, zu diskutieren, zu singen, um sich bei Seminaren fortzubilden und um sich gegenseitig Mut zu machen. Man wünscht sich für die Frauen das Bewusstsein, als Frau eine gleichwertige Person zu sein und das Selbstbewusstsein, Tradition und Moderne miteinander zu verbinden. Als gemeinsames Zeichen nach außen tragen sie bei ihren Zusammenkünften die gleichen Gewänder.

AIDS - die Katastrophe Afrikas

Kamerun gilt als das Herkunftsland der HI-Viren. Die deutsche Virologin Beatrice Hahn geht davon aus, dass der Virus bereits im frühen 20. Jahrhundert von Schimpansen im Südwesten Kameruns auf den Menschen übergesprungen ist.

Die Epidemie begann jedoch erst Ende der 70er Jahre auszubrechen und breitet sich in Schwarzafrika nach wie vor nahezu ungehindert aus: 70 % der Neuerkrankungen kommen noch 2001 aus dieser Region. Das sind etwa 6.500 neuerkrankte Menschen täglich!

Waren 1985 in Kamerun 0,5 % der Bevölkerung infiziert, stieg diese Zahl auf 11,8 % Anteil an der Bevölkerung zwischen 15 und 49 Jahren im Jahr 2001. Die Infektion geschieht zumeist auf heterosexuellem Weg und immerhin zu 4 % noch durch Blutübertragungen.

Im Basis-Gesundheitszentrum unseres Partnerkirchenkreis in Garoua gibt es bereits ein volles Equipment zur Diagnostik. Bisher gibt es aber nur eine geringe Zahl von Menschen, die sich freiwillig testen lassen, die meisten Testergebnisse dieser Personen waren negativ. Aber die Zeituhr tickt. Bei allen Bluttests, die das Gesundheitszentrum durchführt, wird auch anonym auf HIV getestet. Unter diesem Personenkreis finden sich erschreckend viele positive Proben.

Doch die Krankheit wird totgeschwiegen. Sie ist besetzt mit Verwünschungen, Marabuts oder Hexen. Viele Männer sehen nicht ein, dass sie ihre Verhaltenweisen im Bezug auf ihr sexuelles Leben ändern sollen. Hier wird eine immense Zukunftsaufgabe liegen. Auch die Kirche wird das Ihre dazu beitragen müssen. Allein Schuldzuweisungen und Aufforderungen zu Monogamie oder Enthaltsamkeit sind wenig hilfreich auf einem Kontinent, der aus der animistischen Tradition über Jahrhunderte hinweg andere Lebensweisen herausgebildet hat. Kirche wird lernen müssen, Verständnis aufzubringen und den Menschen in ihrem Lebensmittelpunkt zu begegnen, nur dann kann sie sich Vertrauen erwerben und anschließend helfen.

Erst langsam setzen Aufklärungsmaßnahmen ein; in den Städten findet man großflächige Plakatierungen an den Straßenzügen, die überwiegend in Bildersprache versuchen, aufzuklären. Es gilt, die Vielzahl an Analphabeten oder Menschen ohne ausreichende französische Sprach-kenntnis zu erreichen.

Medikamente sind unerschwinglich teuer, insbesondere die Kombipräparate der ARV-Therapie. Hilfe scheint sich jedoch anzubahnen, da die Pharmaindustrie ihre Klage gegen ein südafrikanisches Gesetz zurückgezogen hat, dass die Einfuhr preiswerter Generika (Nachahmerpräparate) zugelassen hat. Dennoch bleibt die ARV-Therapie nur für eine Minderheit in Kamerun bezahlbar, denn auch die Generika sind ohne fremde Hilfe kaum bezahlbar.

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