Der Reformator aus Lippstadt

Pfarrerin Lilo Peters hat ein historisches Stück über Johann Westermann geschrieben

Öffnen die Tür zur bewegten Reformationsgeschichte von Lippstadt: Kantor Roger Bretthauer, Regisseurin Dagmar C. Weinert und Autorin Lilo Peters. Fotos: Hans-Albert Limbrock

Seit fast einem Jahr proben die Laienschauspieler intensiv für die Aufführung des Stückes „Endlich frei“.

Lippstadt. Wittenberg hatte Martin Luther. Soest seinen Thomas Borchwede. Und Lippstadt? Ja, auch Lippstadt hatte einen Reformator. Johann Westermann hat die Reformation im hiesigen Raum ganz deutlich geprägt und maßgeblich beeinflusst. Ihm und seiner Lebensgeschichte hat Pfarrerin Lilo Peters das Stück „Endlich frei“ gewidmet, das Ende Oktober(27. und 29.10.)  in Lippstadt aufgeführt wird.

Die Geschichte: Inspiriert von der Persönlichkeit und den Predigten Luthers kehren die Lippstädter Augustinermönche Johann Westermann und Hermann Koiten 1523 vom Studium aus Wittenberg nach Lippstadt zurück.

Die reformatorische Lehre und der Katechismus Westermanns („Ein Buch für alle“) verbreiten sich rasch in der Stadt und wirken in Familien, Gemeinden und in die Verwaltung hinein. Im Augustinerinnenkloster kommt es schließlich zum Aufruhr und die Nonnen verlassen das Stift: „Ein Christenmensch ist ein freier Mensch, allein Gott untertan!“

Gestärkt durch diese reformatorische Lehre baut sich unter den Gläubigen und der Bürgerschaft ein neues Selbstbewusstsein auf. Doch bis die Lutheraner „endlich frei“ ihren Glauben leben dürfen, ist es noch ein harter Weg. In der Marienkirche findet die Geschichte wie vor 500 Jahren in der Realität ihren Höhepunkt.

„Ich hatte schon lange den Wunsch, ein historisches Stück zu schreiben“, erklärt Lilo Peters. „Bei den Vorbereitungen zum Reformationsjubiläum wurde mir klar, dass der Zeitpunkt jetzt gekommen ist. Wir können die Reformation nur feiern, wenn wir selbst uns als Teil dieser Geschichte erleben.“

Bereits seit Ende November vergangenen Jahres probt das Ensemble an der Umsetzung der Lippstädter Reformationsgeschichte. Und das ist ein äußerst ehrgeiziges Projekt, denn gespielt wird gleich an mehreren Orten. Das Publikum wird mit den Darstellern von der heutigen Brüderkirche (dem damaligen Augustinerkloster), zum Marktplatz, Rathaus bis zur Marienkirche wandern.

Für Regisseurin Dagmar C. Weinert sind diese wechselnden Spielorte zwar eine Herausforderung, gleichzeitig aber macht gerade das den Charme der Inszenierung aus: „Ich habe das Gefühl, an diesen Orten bin ich nur einen Atemzug von der Vergangenheit entfernt und das lässt mich ganz neue Facetten einzelner Szenen begreifen.“

Von der ersten bis zur letzten Minute lässt Weinert das Publikum in die Atmosphäre des Mittelalters eintauchen und entwickelt in Zusammenarbeit mit Pfarrerin Lilo Peters und Kantor Roger Bretthauer (musikalische Leitung) ein intensives und berührendes Theaterstück, das sowohl die dunklen wie auch die lichten Momente dieser Zeit widerspiegelt.

„Es ist für mich eine große Freude“, so Peters, „dass wir das Stück nun mit Lippstädtern auf die Bühne bringen werden, mit Schauspielern aus der evangelischen Kirchengemeinde und darüber hinaus.“

Die Aufführungen beginnen am 27. und 29. Oktober jeweils um 17 Uhr. Karten gibt es bei der Kulturinformation Lippstadt: 02941/58511.

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