Eine radikale Geschichte

Oratorium "Jephtha" wird in der Thomäkirche aufgeführt

Haben mit der Inszenierung von „Jephtha“ Großes vor (untere Reihe von links): Dr. Melanie Wollenschein, Hiltrud Keh und Friedrich von Mansberg; hintere Reihe: Bodo Dreves, Barbara Burges, Christiane Mackensen und Michael Busch. Foto: Hans-Albert Limb

Soest. Die „Soester Fehde“ liegt mit all ihren Schlachten und kriegerischem Getümmel gerade erst hinter Soest, da kündigt sich bereits die nächste Geschichte von kollektiver Gewalt und Krieg an: „Jephtha – aus dem Buch der Richter“ ist eine besonders grausame Episode im Alten Testament, die der Regisseur und Sänger Friedrich von Mansberg am 8. und 9. September mit Unterstützung des Städtischen Musikverein und dessen Chores in Soest auf die Bühne – respektive in der Thomäkirche zur Aufführung bringen möchte.

Zu der biblischen Geschichte hat kein Geringerer als Georg Friedrich Händel ein Oratorium geschrieben. Das wird eigentlich nur gesungen. Aber da die  Musik von Händel  derart facettenreich und farbig ist, hat sich von Mansberg für eine halbszenische Darstellung mit viel Licht- und dramaturgischen Effekten entschieden.

In der Nicolaikirche in Plön hat er seine „Jephtha“-Version bereits im vergangenen Sommer umjubelt zur Aufführung gebracht. Fast 1000 Menschen haben dort die Aufführungen besucht.

Da von Mansberg das Soester Publikum bereits durch die verschiedenen „Soester Stadtopern“ bestens kennt, lag es für ihn nahe, den alles andere als einfachen Stoff nun auch in Soest zu inszenieren. In der Thomäkirche sieht er dabei einen geradezu idealen Aufführungsort: „Wir machen diesen ganz besonderen Kirchenraum regelrecht erlebbar.“

Für von Mansberg ist „Jephtha“ gerade vor der aktuellen Flüchtlingssituation auf der gesamten Welt und der daraus vielerorts wachsenden Fremdenfeindlichkeit ein hochaktueller Stoff. „Erzählt wird die Geschichte einer Radikalisierung und wie jemand die eigenen Werte verliert und schließlich verrät.“ Über allem stehe dabei immer wieder die Frage nach der eigenen Verantwortung: „ Wie weit bin ich bereit zu gehen?“

Gerade weil es in der biblischen Vorlage so viele Parallelen zur heutigen Welt gebe, habe ihn dieser Stoff so gereizt, betont von Mansberg: „Die Aktualität  des jahrtausendalten Textes  zeigt sich an solch provokanten Sätzen in der Bibel wie ,Wir sind Fremde im eigenen Land geworden‘. Das ist ein Satz, der könnte auch aus dem Parteiprogramm der AfD oder  der NPD stammen.“

Auch deshalb sei es eine große und faszinierende Aufgabe, mit so einem uralten Stoff aktuelle Fragen anzufassen.

Aufgeführt wird „Jephtha“ mit Unterstützung des Musikverein-Chors sowie Solisten und dem Projektorchester der Musikschule sowie von einigen Profi-Sängern. Unter anderem wird auch Cornelia Fisch eine Rolle übernehmen. Konzertmeister ist Klaus Esser, und Michael Busch hat die Gesamtleitung.

Begleitend wird noch an einem Rahmenprogramm gearbeitet. So gibt es am Donnerstag, 31. August,  um 19 Uhr in der Stadtbücherei Soest eine literarische Einführung von Frau Dr. Franziska Dokter. Der Eintritt ist frei.

Karten für das Oratorium gibt es im Vorverkauf bei  Hellweg-Ticket zum Preis von 29,60 Euro (erm. 21,60 Euro).

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