Eine ungewisse Zukunft

Gemeindeversammlung in Meiningsen kann sich mit Teilung nicht anfreunden

Knapp 60 von 970 Gemeindegliedern kamen zur Versammlung in die Auferstehungskapelle nach Günne. Fotos: Hans-Albert Limbrock

Ebenso aufmerksamer wie nachdenklicher Beobachter der Versammlung: Pfarrer Dr. Frank Stückemann. Aus gesundheitlichen Gründen ist ihm eine Rückkehr nicht möglich.

Warb für die Aufteilung der Kirchengemeinde Meiningsen: Superintendent Dieter Tometten.

Emotional, aber weitgehend sachlich beteiligten sich die Meiningser an der Diskussion über die Zukunft ihrer Kirchengemeinde.

Der Wickeder Pfarrer Dr. Christian Klein leitete die Versammlung.

Kirchmeisterin Kornelia Belke.

Meiningsen. Die Zukunft der evangelischen Kirchengemeinde Meiningsen bleibt vorerst ungewiss. Bei der Gemeindeversammlung am Mittwochabend in der Auferstehungskapelle in Günne gab es nicht die erhoffte Zustimmung zur Aufteilung der 971 Gemeindeglieder nach Möhnesee (655 Gemeindeglieder), Ostönnen (295) und Ense (21). Im Gegenteil: Bei einer durch Superintendent Dieter Tometten initiierten „Probeabstimmung“ sprachen sich nahezu alle der 60 Anwesenden gegen eine Aufsplitterung aus und votierten für einen Verbleib in den vorhandenen Strukturen.

Bei einer weiteren Meinungsabfrage durch den Superintendenten deutete sich immerhin an, dass die zum kommunalen Stadtgebiet von Soest gehörenden Meiningser sich ein Zusammengehen mit Ostönnen grundsätzlich vorstellen können. Eine ähnliche Bereitschaft der Günner in Richtung Möhnesee war nicht zu erkennen – allerdings waren die rein rechnerisch vorhandenen 655 Günner Gemeindeglieder in der Versammlung proportional eher schwach vertreten.

Kirchmeisterin und Presbyteriums-Mitglied Kornelia Belke hatte zu Beginn der vom Wickeder Pfarrer Dr. Christian Klein geleiteten Informationsveranstaltung darauf hingewiesen, dass diese Gemeindeversammlung gemäß Kirchenordnung lediglich empfehlenden Charakter habe: „Aber sie hat keine Entscheidungsbefugnis. Die bleibt aus guten Gründen beim Presbyterium und den weiteren kirchenleitenden Gremien.“

Schon seit geraumer Zeit krankt das evangelische Gemeindeleben in Meiningsen. Nur durch Vertretungen durch verschiedene Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Prädikanten konnte so etwas wie die seelsorgerische und pastorale Grundversorgung aufrecht erhalten werden. Ein weiteres Problem: Meiningsen ist die einzige Gemeinde des Kirchenkreises in der Haushaltssicherung. „Seit Jahren“, so Tometten, „stehen erhebliche strukturelle und bauliche Aufgaben an, die sich insbesondere durch Gemeindehaus, Pfarrhaus und Kirche in Meiningsen stellen.“

Der Superintendent machte vor diesem Hintergrund deutlich, dass nun der Zeitpunkt gekommen sei, wo über weitreichende und vor allem auch nachhaltige Veränderungen nachgedacht werden müsse: „So kann es nicht weitergehen; wir müssen handeln. Die langfristige Erkrankung des Pfarrers und der Blick auf den Verlauf der letzten Jahre erfordern nachhaltige Maßnahmen, um die weitere pastorale Versorgung der Gemeindeglieder und das kirchliche Leben zu gewährleisten.“

Mit 971 Gemeindegliedern ist jedoch eine Stellgröße erreicht, die eine Neubesetzung und damit Nachfolge der Stelle von Pfarrer Dr. Frank Stückemann ausschließt. Der aktuell gültige Pfarrstellenschlüssel verlangt 2720 Gemeindeglieder für eine volle Stelle. Rein rechnerisch ergibt das für Meiningsen also allenfalls eine 30-Prozent-Stelle. Dafür, so der Superintendent, werde man aber niemanden finden.

Mit der Aufteilung nach Ostönnen, Günne und Ense könne das jeweilige Gemeindeleben wieder deutlich an Attraktivität, Format und Struktur gewinnen. Ohnehin sei die Kirchengemeinde Meiningsen in den vergangenen Jahren alles andere als ein homogenes Gebilde gewesen: „De facto zeigt sich eine unüberwindliche Trennung der Gemeinde etwa entsprechend den kommunalen Gebieten. Sie hat die Bildung gemeinsamer Gruppen und Entfaltungen gemeinsamer Initiativen nachhaltig verhindert.“ Inzwischen sei das Gemeindeleben äußerst gering: „Es gibt nur noch eine Gemeindegruppe in Meiningsen, die einigermaßen regelmäßig tagt.“

Mit der Neuordnung könne eine deutliche personelle Verbesserung sowohl für den Bereich Möhnesee als auch für Ostönnen/Meiningsen  in Aussicht gestellt werden. „Zwei Pfarrer“, so Tometten, „sind gern dazu bereit, in Zusammenarbeit mit Pfarrer Woesthoff bzw. Pfarrer Kluft, sich nicht nur um Gottesdienste, Amtshandlungen und pastorale Arbeit in  diesen Gebieten zu kümmern, sondern für die Integration in die neuen Konstellationen zu sorgen.“

In der zwar emotional, aber weitgehend sachlich geführten Diskussion konnte für diesen Vorschlag jedoch abschließend kein Konsenz gefunden werden. Das Presbyterium wird das Stimmungsbild aus der Gemeindeversammlung nun als Grundlage für die weiteren Beratungen nehmen und gemeinsam mit dem Kirchenkreis nach einer zeitnahen Lösung suchen.

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