Glas gewordene Ehrfurcht

Evangelische Kirchengemeinde Lippstadt bekommt in Glasstudios Eindruck von den Lüpertz-Fenstern

In der Glasmalerei werden die letzten Elemente vorbereitet. Läuft alles nach Plan, werden die Fenster, die in die Westseite der Marienkirche kommen, am 12. November der Gemeinde vorgestellt.

Die Melanchthon-Interpretation des Künstlers Markus Lüpertz liefert ein komplett neues Fenster.

Das Luther-Fenster wird eine gelungene Kombination aus alt und neu.

Andreas Dupstaff kümmert sich vornehmlich um die Bleiverglasung: „Das macht richtig Spaß.“

„Ich bin überwältigt“, Ideengeber und Antreiber Volker Sturm vom Vorstand des Fördervereins, zeigte sich beim Ortstermin begeistert.

Lippstadt/Taunusstein. Ist es Ehrfurcht, die den Raum des Glasstudios Derix plötzlich zu durchfluchten scheint? Still, fast schon andächtig betrachten die Männer und Frauen der Evangelischen Kirchengemeinde Lippstadt ihre neuen Kirchenfenster. Noch ist etwa nur die Hälfte fertiggestellt. Aber es lässt sich schon ahnen, wie prächtig die von Ausnahmekünstler Markus Lüpertz entworfenen Fenster demnächst in der Marienkirche wirken und leuchten werden.

 Auf Einladung des Fördervereins hatte sich jetzt eine Gruppe auf den Weg in das 300 Kilometer entfernte Taunusstein gemacht, um die Fenster bereits vor dem Einbau zu begutachten und sich von den Fachleuten der renommierten Werkstatt über die Besonderheiten dieses  Auftrages zu informieren.

„Ich liebe es, mit dem Licht zu malen“, hatte Professor Lüpertz im Juni gesagt, als er zu einem Ortstermin in Lippstadt war. Was er damit meint, wurde jetzt beim Besuch deutlich. Obwohl die bisher bereits fertiggestellten Elemente von einem milchiggrauen Herbsthimmel nur unzureichend in Szene gesetzt wurden, bekam man eine Vorstellung, welche Farbkraft und Brillanz die Fenster nach ihrer kompletten Fertigstellung einst haben werden.

„Ich bin begeistert, nein, ich bin überwältigt“, freute sich besonders Volker Sturm vom Förderverein. Vor über drei Jahren hatte Sturm die Idee, anlässlich des Reformationsjubiläums in diesem Jahr zumindest das „Lutherfenster“, das in den 70er Jahren bei Renovierungsarbeiten ausgebaut worden war, zu erneuern und zu ersetzen.

Nachdem er zunächst Überzeugungsarbeit im Presbyterium und im Förderverein leisten musste, folgte ein zähes Ringen mit den Institutionen (Landschaftsverband, Landeskirchenamt) und schließlich auch dem Künstler, nachdem man sich auf Markus Lüpertz festgelegt hatte. Sturm: „Es war ein schwieriger Spagat; wir wollten einen Brückenschlag von Historisch, über die Gegenwart bis hin zur Zukunft.“

Das wird vor allem im zweiten Fenster deutlich, das Lüpertz gestaltet hat, nachdem sein Auftrag erweitert wurde. Während ein wesentliches Bestandteil des Luther-Fensters die beiden „alten Teile“ – die Darstellung Luthers sowie die Textzeile „Eine feste Burg ist unser Gott“ - sind, die um die Lüpertz-Kreation ergänzt wird, hatte der Düsseldorfer Künstler beim Melanchthon-Fenster praktisch freie Hand. Und auch der Spruch „Der Himmel geht über allem auf“ trägt buchstäblich seine Handschrift.

Beim Besuch in der Werkstatt Derix erfuhr die Lippstädter Delegation zudem, mit wieviel Empathie und natürlich handwerklichem Geschick jeder einzelne Mitarbeiter versucht, die Lüpertz-Entwürfe umzusetzen. „Das macht richtig Spaß. Das umzusetzen, ist schließlich auch eine Kunst“, erklärte Andreas Dupstaff, der vornehmlich für die Bleiverglasung der einzelnen Elemente zuständig ist.

Der Künstler selbst, so Dupstaff, sei noch vergangene Woche in Taunusstein gewesen, um sich über den Fortgang der Arbeiten zu informieren: „Er ist sehr zufrieden.“ Läuft alles nach Plan, so sollen die Fenster der Gemeinde in einem Gottesdienst am 12. November in der Marienkirche vorgestellt werden.

Äußerst angetan zeigte sich auch Pfarrerin Dr. Yvonne Buthke, die die Reisegruppe begleitet hat: „Diese Fenster sind Verheißung und Auftrag zugleich; sie sind ein Akt der Schöpfung, ein wirklicher Prozess.“

Inzwischen steht auch die Finanzierung der etwa 78.000 Euro teuren Fenster auf soliden Füßen. „Es ist alles geklärt, wir haben das Geld zusammen“, erklärte Johannes Althoff vom Förderverein. Neben vielen Spenden von Privatpersonen haben sich auch die Hueck-, und die Sparkassenstiftung maßgeblich beteiligt.

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