Inventur in der Kirche

Kunsthistoriker Dr. Ulrich Althöfer listet die Kunstschätze für die Landeskirche auf

Ortstermin: Dr. Ulrich Althöfer hat in den letzten Wochen und Monaten die Kirchenschätze inventarisiert. Unterstützt wurde er dabei in Soest von Dr. Hans-Georg Gaffron. Fotos: Hans-Albert Limbrock

Niels Körner leistet ein freiwilliges soziales Jahr in der Jugendbauhütte und hat Dr. Althöfer bei der Inventarisierung unterstützt.

Alles wird fotografiert und dokumentiert.

Kreis Soest. Laut dem allwissenden Internetlexikon Wikipedia ist eine Inventur "die Erfassung aller vorhandenen Bestände". Im besten Falle stellt man dabei fest, dass alles noch da ist, was da sein sollte und kann die Werte entsprechend taxieren. Für die Evangelische Kirche in Westfalen (EKvW) hat der Kunsthistoriker Dr. Ulrich Althöfer in den vergangenen Monaten die ebenso spannende wie aufwändige Aufgabe der Kirchen-Inventur übernommen.

Über 1000 Kirchen, Kapellen und Gemeindehäuser gibt es zwischen dem Ruhrgebiet und Ostwestfalen, zwischen Münsterland und Siegerland. Und sie alle hat Dr. Althöfer bereist: „Sukzessive habe ich alle Kirchen und größere Gemeindezentren in der EKvW besucht“, erklärt der Gotteshaus-Fachmann aus Bielefeld. Der Grund dafür ist die Einführung des Neuen Kommunalen Finanzmanagement (NKF)“. Die Ortstermine sind die Grundlage für so genannte „Steckbriefe“, in denen die verschiedenen Ausstattungsobjekte gelistet werden – vom Abendmahlsgerät bis hin zum Turmkreuz. Dr. Althöfer: „Summarisch auch zu Orgeln und Glocken.“

Zu den besonders interessanten Aufgaben gehörte dabei natürlich der Kirchenkreis Soest. „Soest ist ohne Zweifel ein Sonderfall innerhalb  der Landeskirche. Eine so große Qualität und Dichte bei der Ausstattung gibt es kein zweites Mal“, verdeutlicht Dr. Althöfer den Stellenwert des hiesigen Kirchenkreises.

Die Besuche in Soest, Werl oder Lippstadt sowie in den zahlreichen Dörfern waren somit für den Kunsthistoriker ein „wahrer Quell der Freude“: „Alle Kirchen hier haben ihre Besonderheiten. So ist zum Beispiel die Kanzelwand in Dinker herausragend und einzigartig, Aber auch die Lippstädter Marienkirche ist hinsichtlich ihrer Ausstattung unglaublich. Die Soester Kirchen sind noch einmal eine besondere Geschichte für sich.“

Ohnehin sei der gesamte Hellwegraum für die Fachwelt bemerkenswert: „Hier gibt es unwahrscheinlich viele mittelalterliche Kirchen, die um 1300 erbaut worden sind.“ Entsprechend zahlreich seien auch die Kirchenkunstschätze, die zwar oft keinen sonderlich hohen materiellen Wert, dafür aber unglaublich hohe ideelle Werte hätten, die geschützt werden müssten. Dr. Althöfer: „Das ist unglaublich, aber einige Kelche sind seit 700 Jahren in Gebrauch. Lippstadt zum Beispiel hat einen Kelch, der von etwa 1230 stammt und immer noch in den Gottesdiensten verwendet wird.“

Nach Abschluss seiner Rundreise durch die jeweiligen Kirchenkreise begibt sich Dr. Ulrich Althöfer an die umfangreiche Dokumentation. Gemeinsam mit den vor Ort gemachten Fotos wird sie anschließend den Kirchengemeinden zur Verfügung gestellt. Dadurch sind vergleichbar aufbereitete, einfach abrufbare Informationen über den Ausstattungs- und Kirchenbestand in der Evangelischen Landeskirche von Westfalen möglich.

„Diese systematische Erfassung“, so der Bielefelder Kunsthistoriker, „ermöglicht die Kenntnis des vielgestaltigen künstlerischen Erbes, insbesondere der jüngeren Zeit. Dadurch werden Vergleiche, Querbeziehungen und Schätzungen der Werte möglich.“ Gleichzeitig würden so ein Bewusstsein und eine Auskunftsfähigkeit gerade auch den Kirchengemeinden gegenüber geschaffen: „Aus dieser Grundlagenarbeit entsteht daher ein vielfältiger Nutzen.“

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