Nüchternheit statt Sozialromantik

Präses Kurschus besuchte Heiligabend Soester Tafel

Präses Kurschus serviert den Gästen der Soester Tafel das Weihnachtsfestessen (Foto: Andreas Duderstedt)

WESTFALEN - Menschen, die sich auch an Weihnachten ehrenamtlich für andere engagieren, hat Präses Annette Kurschus in diesem Jahr an Heiligabend besucht: Flüchtlingshelfer in Bielefeld und die Einsatzkräfte von der Soester Tafel.

»Ein Segen, dass es Sie gibt – schlimm, dass es Sie geben muss«, sagte Präses Annette Kurschus zu den ehrenamtlichen Helferinnen von der Soester Tafel. Die leitende Theologin der Evangelischen Kirche von Westfalen besuchte an Heiligabend den Mittagstisch und servierte Hirschgulasch mit Rotkohl und Kartoffelrösti.

Die hundert Gäste wurden an diesem Festtag auch vom Soester Bürgermeister Eckard Ruthemeyer bedient, ebenso von Michael König, dem Leiter der Sozialberatungsstelle des Evangelischen Perthes-Werkes. König hat die Soester Tafel vor 15 Jahren gegründet.

An jedem Werktag kommen hier hundert Frauen, Männer und Kinder zum Essen, die von Hartz IV leben. Außerdem werden an drei Tagen pro Woche an die 400 Lebensmitteltüten ausgegeben, die rund tausend Menschen ergänzend versorgen. Etwa 50 Ehrenamtliche halten den Betrieb am Laufen, gemeinsam mit 19 weiteren Mitarbeitenden, die im Rahmen eines Ein-Euro-Jobs vom Perthes-Werk unterstützt werden.

Präses Kurschus war angetan von der freundlichen Atmosphäre in der Soester Tafel: »Das ist keine Massenabfertigung, sondern Esskultur. Sie achten die Würde Ihrer Gäste.« Wie wichtig das ist, bestätigte Koordinatorin Ursula Schulte zur Wiesch, die von Hemmschwellen berichtete: »Viele schämen sich immer noch, hierherzukommen.« Da ist es gut, dass sich  die Tafel auch zu einem sozialen Treffpunkt in Soest entwickelt hat, wo es nicht nur ums Sattwerden geht.

Annette Kurschus würdigte die »nüchterne und dabei zugewandte Haltung« der ehrenamtlichen Flüchtlingshelferinnen in Bielefeld-Heepen: »Sie sind keine Sozialromantiker«, sagte die Präses bei ihrem weihnachtlichen Besuch. Die 50 überwiegend evangelischen und katholischen Frauen und Männer kümmern sich um hundert Flüchtlinge aus neun Ländern, die in Heepen untergebracht sind.

Im Gespräch zeigte sich: »Reale Erfahrungen reduzieren Ängste«, so Kurschus. Diese Ängste seien anfangs durchaus vorhanden gewesen, wie Alexandra Laubenstein berichtete: »Als bei einem ersten Informationstreffen in unserem Stadtbezirk das Kommen der Flüchtlinge angekündigt wurde, war die Stimmung zunächst ablehnend. Doch das hat sich geändert.« Die Skeptiker seien zwar noch da, aber: »Erzählen hilft.«

Und zu erzählen haben sie viel, die Ehrenamtlichen, die in wenigen Wochen zu einem Team zusammengewachsen sind. Zum Beispiel von den Kindern im Grundschulalter, die in rasantem Tempo Deutsch lernen und schon für ihre Eltern übersetzen. Zum Beispiel von der fast beschämenden Gastfreundschaft: Die Deutschen werden ganz selbstverständlich zum Essen eingeladen.

Oder von dem offenen Spielangebot, das Sylvia Lütgemeier einmal pro Woche macht: Kinder und Erwachsene basteln, malen und singen. Dass es manchmal auch knirscht, wird nicht verschwiegen. »Wir möchten zu einer schnellen und nachhaltigen Integration verhelfen«, beschreibt Ulrike Klenner das Ziel.

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