Reformatorische Spätzünder

Vortrag des Soester Stadtarchivars beleuchtete Luthers Wirkung auf Soest

Stadtarchivar Dr. Norbert Lex ist tief in die Soester Geschichte getaucht und hat jetzt in einem Vortrag das Wirken Luthers auf die Soester Stadtgeschichte bilanziert. Foto: Klaus Bunte

Soest. Wollte Soest ein eigenes Reformationsjubiläum feiern, so müsste es wohl noch 14 Jahre damit warten. Denn erst 1531 schlugen Luthers Thesen auch in Soest so richtig durch. „Brauchten die Soester so lange, um es zu kapieren? Ganz so war es dann doch nicht“, berichtete Stadtarchivar Dr. Norbert Wex jetzt in Alt. St. Thomä. Auf Einladung der Evangelischen Reformierten Gemeinde Soest fasste er eine Stunde lang die Ereignisse in den Jahren nach dem Thesenanschlag zu Wittenberg zusammen.

Und so viel ist klar: Vor 500 Jahren verbreiteten sich Nachrichten und revolutionäres Gedankengut nicht annähernd so schnell wie heutzutage. Zwar hatte Luther seine Bibelübersetzung in der Absicht getätigt, sie fürs einfache Volk verständlich zu machen, „doch in Soest sprach man damals Niederdeutsch. Das damalige Hochdeutsch war in Soest eine Fremdsprache“.

Es bedurfte also erneuter Übersetzer, die dafür sorgten, dass auch der Westfale das Wort Gottes verstand. Geistiges Oberhaupt war auch nach der Fehde nach wie vor der Erzbischof von Köln, und auch nach 1517 erhofften sich reiche Bürger, mit der Stiftung der Altarbilder in Maria zur Wiese und St. Petri die Zeit im Fegefeuer verkürzen zu können.

In Soest sei es erst in den Zwanziger Jahren des 16. Jahrhunderts zu Brüchen in der religiösen Ordnung gekommen. Immer größer sei die Unzufriedenheit der Bürger mit der Geistlichkeit gewesen, die sich – davon zeugen erhalten gebliebene Schriften im Stadtarchiv – mehr der Hurerei und Völlerei hingegeben hätten als ihrer eigentlichen Aufgabe, und allmählich drangen erst Prädikale nach Westfalen vor, die auch hier die Thesen Luthers verbreiteten: „Soest war eine bedeutende Stadt und stand definitiv auch auf der Landkarte der Reformer.“

Zu Unruhen, oder um es in Wex' Worten auszudrücken, „Tumulten, die immer nach einen ritualisierten Verfahren abliefen, und nach denen rasch wieder alles seinen gewohnten Gang nahm“, kam es immer häufiger, nur wurden jetzt nicht nur die Ratsmitglieder „verdroschen“, sondern auch die Vorratskammern der Geistlichen geplündert.

Thomas Borchwede veröffentlichte sein Spottgedicht, harter Tobak für jene Zeit, und am 22. November 1531 schlägt er 22 Thesen an die Tür des Patrokli-Doms und fordert seine Gegner zur Diskussion heraus. Wex:  „Ob Luther seine Thesen wirklich an die Wittenberger Kirchentür genagelt hat, ist ein unbelegter Mythos, aber diese Schrift hat wirklich in St. Patroklus gehangen.“

Wenige Wochen später kommt mit Johann Wulf von Campen ein eher umstrittener Prediger nach Soest. Als er gegen das Predigt-Verbot für auswärtige Prediger verstößt, wird er verhaftet, und es kommt zum „Thomasaufruhr“, bei dem sich mehrere tausend Menschen mit ihm solidarisieren.
Kurz darauf führte der Rat fuhrt die Reformation ein – alle Kirchen bis auf Patrokli und die Klöster wurden evangelisch.

Wie gut Wex im Stoff ist, zeigte sich auch daran, dass er jede Frage aus dem Auditorium ohne langes Überlegen beantworten konnte.

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