Seitenlange Pöbeleien

Schmähschrift aus dem Stadtarchiv erzählt von Auseindersetzung im Jahre 1630

Praktikantin Mara Jerz von der Jugendbauhütte und Dirk Elbert (Stadtarchiv) mit den beiden Schriften aus dem Jahre 1630. Foto: Hans-Albert Limbrock

Soest. Beleidigen, Pöbeln, Beschimpfen – im  Zeitalter der (un)sozialen Medien wie Facebook und Co wird das heutzutage ziemlich leicht gemacht. So etwas gab es früher nicht, möchte man gerne sagen. Stimmt nicht so ganz, wie ein Fund aus dem Stadtarchiv beweist. Dort ist man jetzt auf eine so genannte „Schmähschrift“ aus dem Jahre 1630 gestoßen, in der es äußerst deftig zugeht.

Worum es in dem Streit genau geht, lässt sich kaum eruieren. Offenbar aber sind es Streitigkeiten, die die Evangelische Kirche in Soest mit einem gewissen Grimäus hatte. Der hat auf 24 Seiten eine Schrift drucken lassen, die den hochtrabenden Titel trägt: „Eines geistlichen Seelenpuncts Verantwortung durch ein hochbeleidigten Man der Stadt Soest“, worin er einige Potentaten der Evangelischen Kirche, aber auch der Stadtverwaltung  massiv attackiert. „Auß Provocation und aufgedrungener Noth“ hat er diese Schrift „In öffentliche Druck“ gegeben.

Und da die Menschen zu damaliger Zeit sich eben nicht stundenlang auf Facebook herumgetrieben haben, hatten sie ausreichend Zeit zur Erwiderung. Und die ist mindestens ebenso deftig ausgefallen wie die ursprüngliche Attacke. Auf sage und schreibe 128 Seiten ist die öffentliche Erwiderung mit dem schwungvollen Titel festgehalten: „Wohlbegründete, abgenötigte Rettung des geistlichen Straff- und Trostampts/Nach der Richtschnur Göttliches Worts“.

Namentlich verantwortlich dafür zeigten sich die Pfarrer aller damaligen Soester Kirchengemeinden: Thomä, Petri, Hohne, Walpurgis und Wiese haben sich an der Formulierung der Apologia (Rechtfertigung/Verteidigung) ebenso beteiligt wie Superintendent Johannes Schwartze.

„Die haben sich damals richtig Mühe gegeben. Mitten im  30-jährigen Krieg war die Stimmung natürlich sehr aufgeladen“, weiß Dirk Elbert vom Stadtarchiv. Solche Schriften wurden in einer überschaubaren Auflage gedruckt und dann in den Buchhandlungen ausgelegt. Elbert: „Historisch gesehen ist das aber nichts Besonderes. Im Grunde genommen ist das nichts anderes, als dreckige Wäsche zu waschen – nur eben gezielt in der Öffentlichkeit.“

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