Von Gottes Händen getragen

Gläubige pilgern seit über dreißig Jahren zu Fuß von Soest nach Drüggelte

Ein Kreuzweg der besonderen Art und einer mit Tradition: Seit über dreißig Jahren schon pilgern Gläubige von Soest nach Drüggelte. Fotos: Klaus Bunte

Soest. Direkt bei seinem ersten Einsatz beim ökumenischen Kreuzweg, zu dem die Gläubigen aus Soest seit mehr als 30 Jahren am Karfreitag aufbrechen, bewies der erst kürzlich von Bad Sassendorf in die Soester Petri-Pauli-Gemeinde gewechselte Pfarrer Christian Casdorff hohes Improvisationsvermögen: Unterwegs war das Kreuz, mit dem zwei Jugendliche die Prozession anführten, zu Boden gefallen. Dabei hatte der Heiland den Kopf verloren.

Der wortgewandte Casdorff spielte darüber nicht hinweg, sondern baute es in seine Abschiedsworte ein: „Wie mich das auf dem letzten Wegabschnitt begleitet hat: Der Jesus kopflos geworden, auch für uns. Im Dunkeln hinzuschauen auf dieses Kreuz und dann diese helle Fläche leuchten zu sehen – das helle Licht, das aus der Nacht hervorbricht. Ich muss da immer wieder hinsehen.“

Vom Siegmund-Schultze-Haus, dem Gemeindehaus des Südbezirks der Petri-Pauli-Gemeinde, zogen die rund hundert Gläubigen mit Casdorff und dem katholischen Diakon Peter Breuer von der Heilig-Kreuz-Gemeinde vorneweg über die beiden Soester Ortsteile Ruploh und Deiringsen weiter über den Möhneseer Ortsteil Wippringsen zur letzten Station, der im 12. Jahrhundert erbauten Drüggelter Kapelle – „weil es eine Kreuzkapelle ist, also dem Heiligen Kreuz geweiht“, so Breuer.

Auch wenn das Motto „Hände, die mich tragen“ lautete – getragen wurde niemand, höchstens sinnbildlich von den Händen Gottes, denn laufen mussten die Gläubigen schon selber. Unterwegs wurden Lieder gesungen und Stücke der biblischen Passionsgeschichte vorgelesen.

„Bildbetrachtung steht auf dem Zettel“, so Casdorff zu Beginn. „Die machen wir auch, aber anders. Kein Bild auf einer Leinwand oder einem Blatt Papier. Wir schließen einfach die Augen, und dann werden die Bilder schon kommen, weil wir natürlich die Bibel dabei haben, und mit ihr die Passionsgeschichte. Und dann bedenken wir auf unserem Weg, wo dort überall Hände vorkommen, und dann werden wir sie sehen, die inneren Bilder.“

Passend zum Motto wiesen Casdorff, Breuer und andere Sprecher in kurzen Meditationen darauf hin, wie „schillernd“ in dieser Geschichte von Händen die Rede sei: „Pilatus hat Jesus in seiner Hand, und er wäscht seine Hände in Unschuld“, so Casdorff. „Doch ein Wasser, in dem wir unsere Hände in Unschuld waschen können, gibt es nicht. Stattdessen können wir sie aber Gott hinhalten. Der sieht sie sich dann an und sagt: Ach, ich weiß da was.“ Die Hände von Jesus werden von Menschenhänden an das Kreuz genagelt – und doch könne niemand verhindern, dass Jesus am Ende zu Gott sage: „In deine Hände befehle ich meinen Geist.“

So luden die Organisatoren – neben den Geistlichen war maßgeblich auch Melanie Bonk, Theologiepraktikantin in Heilig Kreuz, daran beteiligt – die Teilnehmer dazu ein, ihre eigenen Hände neu wahrzunehmen.

Zum Abschluss stärkten sich die Pilger in Drüggelte bei Tee, Brot und Kaltgetränken. „Wenn Ihr dann aufbrecht aus dieser Kapelle und hineingeht ins Osterfest, dann tut Ihr das als gesegnete Kinder von Gott“, wurden sie von Casdorff verabschiedet.

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