12. April: Finger in die Wunden

Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben! (Johannesevangelium 20,19-31)

Die gute Botschaft Gottes muss medial vermittelt werden. Thomas hatte noch Glück: Er konnte die tödlichen, aber versiegten Wunden Jesu, den Beweis seiner Auferstehung noch "be-greifen", Jesu Schüler und Zeitgenossen waren noch Augenzeugen seiner Taten. Für die später Geborenen schrieb der Evangelist Johannes sein Evangelium auf. Wie sie sind wir auf die mediale Vermittlung der guten Botschaft angewiesen: auf Evangelien, Briefe, Bücher bis hin zu Webseiten, SMS und Posts.

Die Kirche war in ihrer Geschichte in vorderster Reihe an medialen Revolutionen beteiligt. Als das Medium des Buchs ("Kodex") im 2. und 3. Jahrhundert nach Christus langsam das der Schriftrolle ablöste, war es bei Christinnen und Christen so beliebt, dass Papyri christlichen Ursprungs oft schon äußerlich erkannt werden können. Auch das Neue Testament wurde von Anfang an als Buch veröffentlicht. Luther nutzte die Neuentwicklung des Buchdrucks, um Flugblätter und Bibeln in deutscher Sprache unters Volk zu bringen.

Und wie steht die Kirche zu den Medien im Internetzeitalter? In einer neuen, repräsentativen Untersuchung wurde deutlich, dass evangelische Kirchenmitglieder seltener neue Medien nutzen als der Durchschnitt der Bevölkerung. Die mediale Spaltung der Gesellschaft in "Digital Natives", "Digital Immigrants" und "Digital Outsiders" ist in der Kirche noch stärker und der Anteil der "Outsiders" größer. Die EKD hat sich auf ihrer letzten Synode der Kommunikation des Evangeliums in der digitalen Gesellschaft gewidmet und damit "Finger in die eigenen Wunden gelegt".

Johannes Majoros-Danowski

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