14. Juni 2017

„So hart und saurlich geboren ... / uns erneeret und lebendig gemacht / getrenckt auff seiner brust unnd seiten“, beschrieb Katharina Zell ihr verblüffend weibliches Gottesbild. Reformationszeit in Straßburg. Diese Frau konnte schreiben, ließ ihre Briefe und Texte gelegentlich sogar drucken. In ihrem Hause waren fast alle wichtigen Reformatoren zu Gast, wenn sie jemals in Straßburg gewesen waren. Sonst schrieben sie sich Briefe. Katharina Zell predigte auch. Am Grab ihres Mannes, den zu heiraten 1523 noch ein Skandal gewesen war, predigte sie selbst, wie zuvor er als Pfarrer im Straßburger Münster.

Weit war die Spanne ihres persönlichen Erlebens, von „hart und saurlich“ bis lebendig. In der Zeit der Bauernkriege und Hungersnot versorgte sie in ihrem Pfarrhaus oft bis zu 100 Menschen. Ihre zwei Kinder starben als Kleinkinder. Die Reformation kam durch den Schmalkaldischen Krieg ins Straucheln. Ihr Mann starb kurz danach. Manche Reformatoren – wie Bucer – mussten ins Exil, zuvor noch von ihr versteckt. Gut zu wissen, dass sie als Frau der Kirche schon damals hoch geachtet und geschätzt wurde.

 

Wir feiern Reformationsfest, am 24. Juni in Körbecke, auch dank solcher Menschen und ihrer Geschichte. Ich freue mich, wenn wir uns da sehen!

Dieter Tometten

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