2. November: Disrationale Koexistenzen

So treffend hatte ich es vorher nicht gelesen: „Disrationale Koexistenzen“. Gemeint sind Haltungen, die einander eigentlich ausschließen, die wir Zeitgenossen aber doch ganz persönlich gleichzeitig vertreten. Z. B. fordern wir gesunde Ernährung, gönnen uns aber gern auch Fastfood und Billigfleisch. Wir wollen umweltfreundliche Energien und verhindern zugleich die dafür erforderlichen Maßnahmen und Ausgaben. Wir erklären den weltweiten Frieden zum höchsten Ziel und finden uns mit dem Verbrauch ungeheurer Ressourcen durch die Rüstungsindustrie ab.

Weit entfernt sind die disrationalen Koexistenzen von uns nicht. Darum schreibe ich „wir“. Wir haben aber auch Martin Luther. Wie andere vor ihm und nach ihm hat er auf die Einheit des Gewissens gepocht und sich ihr gestellt. Das kostete viel Mühe, war nicht immer erfolgreich, war aber richtungsweisend. Die Bibel nennt es das „ungeteilte Herz“ (1. Könige 8,61). „Nur was wir ungeteilten Herzens tun, kann ganz ankommen.“ Diesen alten Gebetssatz habe ich ermutigend im Ohr.

Dieter Tometten

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