

von Siegfried Hein
Mit seinen 80 Jahren gehört der Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde vermutlich zu den älteren Chören der Stadt Werl. Aus Archivaufzeichnungen geht hervor, dass der Posaunenchor 1926 mit 10 aktiven Bläsern unter Leitung von Pfarrer Jürgensmeyer seine Arbeit aufgenommen hatte und in den
CVJM-Westbund (Christlicher Verein junger Männer) aufgenommen worden war. Sechs Jahre später wird in einem Heft über die evangelische Kirchengemeinde neben dem Kirchenchor, der Frauenhilfe und weiteren Gruppen auch der Posaunenchor unter Leitung des Strafanstaltinspektors Brinkhoff erwähnt. Selbst die Übungsstunden werden genannt: Die Chormitglieder trafen sich Montag abends um 20.30 Uhr im "kleinen Gemeindesaal" in der Gesellengasse, den die evangelische Kirchengemeinde 1928 von der Stadt erhalten hatte. Seit 1934 lag die Leitung des Posaunenchors in Diakon Lindens Händen, dem damaligen Leiter des evangelischen Kinderheims Westuffeln. Diakon Linden - allen Werlern vielleicht auch unter der liebevollen Bezeichnung "Vater Linden" bekannt - war in späteren Jahren Kirchmeister und versah zugleich den Orgeldienst in der Gemeinde. Er hielt seine Chorstunden Jahre lang in Westuffeln ab und legte großen Wert darauf, dass neben den Mitgliedern des CVJM auch einige Jungen seines Kinderheims ein Blasinstrument erlernten.
Während der letzten Kriegs- und ersten Nachkriegsjahre muss die Arbeit des Posaunenchors geruht haben, denn erst 1953 kam es auf Betreiben des damaligen Leiters des CVJM, Herrn Willi Malters, zur Neugründung des Chores. In einem Bericht der Westfalenpost vom 9./10. September 1961 heißt es: "Der Posaunenchor ... wurde unter reger Beteiligung alter und neuer Mitglieder wieder ins Leben gerufen." Die Leitung des Chores einschließlich einer intensiven Anfängerschulung hatte der Wickeder Werner Mocka übernommen. Leider währte dessen erfolgreiche Arbeit nur knappe zwei Jahre, da Mocka Wickede verließ. Gott sei Dank verstand der damalige Kirchmeister Diakon Linden viel von der Bläserei. Er übernahm zwar wieder die Verantwortung für den Chor, betraute aber den jungen Bethel-Diakon Lothar Schimmelpfennig mit der Leitungsaufgabe, der die Chorarbeit mit einigen Bläsern bis zu seiner Abberufung im Jahre 1956 etwa zwei Jahre fortsetzte.
Nach Schimmelpfennigs plötzlichem Ausscheiden wuchs seit Ende 1956 der damalige Gymnasialschüler und spätere Student bzw. Studienrat Siegfried Hein in die Chorleitungsarbeit hinein. Im Mittelpunkt stand zunächst die Anfängerschulung, so dass dem Chor bald mehr als 10 jugendliche Bläser angehörten. Als Pfarrer Herbers dafür sorgte, dass der Chor jährlich neue Instrumente erhielt, wuchs allmählich ein leistungs- und begeisterungsfähiger junger Bläserkreis heran. Während der Referendarzeit in Paderborn und nach der ersten Dienstversetzung an ein auswärtiges Gymnasium wurde es für den Chorleiter Mitte der 60er Jahre zunehmend schwieriger, eine kontinuierliche Chor- und Anfängerarbeit durchzuführen.
Deshalb übernahm 1971 die Musikstudentin Frau Lenz, selbst Hornistin, den Posaunenchor der evangelischen Gemeinde.
Man darf es wohl einen Glücksfall nennen, dass die Gemeinde im Jahre 1976 den Kirchenmusiker und Pädagogen StD Wilfried Pankauke, Lehrer am Ursulinengymnasium, für die Leitung des Chores gewann. Er hat in 30-jähriger kontinuierlicher Chorarbeit ein Bläserensemble geschaffen, das vielfältigen Anforderungen gewachsen ist. Der ökumenische Zuschnitt des ursprünglich rein evangelischen Chores zeigt sich nicht allein darin, dass die Mitglieder beiden großen Konfessionen angehören. Das Ensemble ist auch in Werls katholischen Kirchen immer wieder gern zu Gast. Leider plagen den Chor in den letzten Jahren Nachwuchsprobleme, denn immer wieder haben leistungsfähige junge Bläser den Chor verlassen, weil Studium und Beruf den Umzug in weit entfernte Orte verlangten. Wir hoffen, dass sich im September 2006 möglichst viele Ehemalige in ihrer Heimatstadt Werl treffen, um Herrn Pankaukes 30-jähriges Chorleiterjubiläum und das 80-jährige Bestehen des Chores mitzufeiern.