Bewegung zur Erneuerung

Ausstellung „reFORMationen“ in der Kirche Neu St. Thomä

Die Reformation steht bild- und variantenreich im Mittelpunkt der Ausstellung in Neu St. Thomä. Fotos: Thomas Brüggestraße

Michael Kestner vom Kunstverein griff erst einmal nach der Wasserwaage: „Ja – passt.“

Soest. reFORMationen: Ein Wort zum Spielen mit Bedeutungen. Es gibt der 11. Ausstellung von Künstlern aus dem Partnerkreis Elbe-Elster den Titel und Raum für ihr Schaffen. Die Ergebnisse sind bis zum 7. April in Neu St. Thomä in Soest zu sehen.

Vorspiel. „Nicht das Hängen ist das Schwierige, sondern das Ordnen“, sagt Inga Schubert-Hartmann vom Kreiskunstverein und steht gerade zwischen einem gepixelten Luther, der erst auf 20 Meter Abstand richtig Gestalt gewinnt, einer Collage mit erschreckend hasserfüllten Luther-Zitaten, einem schlanken Stück konkreter Malerei in grellrot und einem abstrakten gelb-schwarzen Engel-Torso auf Leinwand in zwei Ebenen.

„Die Bildaussage soll mit dem Raum zusammenpassen, manchmal soll sie auch einen deutlichen Kontrast setzen.“ Sie zeigt in die Runde: „Neu Sankt-Thomä, das ist immer eine Herausforderung – und wir wollen ja wirken mit unserem Titel, mit unseren Werken...“. Noch bis zum 7. April läuft die Ausstellung „reFORMationen“, und es ist die 11. Ausstellung bildender Künstlerinnen und Künstler des Landkreises Elbe-Elster. Mit dabei sind Gäste aus Polen, aus Wales, dem Märkischen Kreis und Elbe-Elsters Nachbarkreisen Nordsachsen, Teltow-Fläming und Wittenberg.

Die Helfer in der Kirche schleppen und wuseln, kraxeln Leitern rauf und runter. „Ist schlimmer als Gardinen aufhängen mit diesen friemeligen Röllchen und Kunststofffäden“, sagt Michael Kestner vom Kunstverein und greift erst einmal nach der Wasserwaage: „Ja – passt.“

Dieter Gallenkamp hat inzwischen drei Werke hinter Glas gebracht: „Die steckten einfach zusammengerollt in einer Pappröhre – da sind wir schnell rüber in den Kunstsaal in der Klosterstraße, passende Rahmen besorgen.“ Es hat geklappt.

Küster Christian Sawatzki ist auch beim Hängen dabei, ein kleines Etwas schwirrt ihm unvermittelt um die Ohren: „Eine Fledermaus“, sagt er: „Fühlt sich wohl gestört, weil ich die Heizung angemacht habe...“.

Was ist der große Zusammenhang? Seit März 2017 präsentieren 26 bildende Künstlerinnen und Künstler ihre Werke in Schloss Doberlug (Brandenburg), in Naklo (Polen), in Soest und in Eisenhüttenstadt. Mit den Mitteln der Kunst und aus ihrer ganz eigenen zeitgenössischen Sicht blicken sie auf 500 Jahre Reformation zurück: Was für ein epochaler Umbruch das war! Und heute? Hat es Bedeutung im eigenen Leben?

Um Machthaber geht es in der Ausstellung, um Umstürze, um Religionskämpfe und das Leben der einfachen Menschen.

Malereien, Skulpturen, Glas- und Schmuckarbeiten, Objekt- und Fotokunst bearbeiten ein weites Feld: Das titelgebende Wortspiel „Reformationen“ beinhaltet, so lehrt die Begleitschrift zur Schau, Reform, Reformation, Form und Formation: Bewegung zur Erneuerung. Die beteiligten Künstlerinnen und Künstler begeben sich dabei, so heißt es weiter, auf eine historische Spurensuche. Sie finden im Heute das Gestern, beschreiben metaphorisch die Gegenwart, ironisieren, überhöhen, provozieren, öffnen die Sinne für Zwischentöne.

Sie stellen aus: Katarzyna Bazak, Kerstin Becker, Hanspeter Bethke, Ursula Bierther, Christine Bird-Jones, Paul Böckelmann, Rosemarie Böhmchen, Monika Böttger, Antje Bräuer, E.R.N.A., Torsten Freche, C. G. Große, Elke Gründemann, Ararat Haydeyan, Christel Kiesel, Ulrike Kirchner, Hans-Peter Klie, Kurt Kornmann, Volker Pohlenz, Marian Salagan, Liane Senf, Armgard Stenzel, Iris Stöber, Angela Willeke, Georgios Wlachopulos.

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