Der Ton macht die Musik

Experte für Körpersprache zeigt verrät Lehrern Tricks und Kniffe

„Wenn Nervensägen an unseren Nerven sägen“: 20 Lehrerinnen und Lehrer waren beim aktuellen Ein-Tages-Seminar im Soester Petrus-Haus mit dabei. „Es hat schon nach ein paar Minuten etwas gebracht“, fand eine Teilnehmerin. Thomas Brüggestraße

Soest. Lassen sich Schüler noch etwas sagen? Befolgen sie Anweisungen? „Aber ja!“, sagt Rudi Rhode. Der Mann ist ausgebildeter Schauspieler, und selbsterklärter Experte für Körpersprache. „Der Ton macht die Musik, aber nicht nur“, das bringt er den Leuten bei. Und: „Worte selber sind noch lange keine Botschaft: Siebzig Prozent kommen über Gestik, Mimik und den Stimmfall. Das hilft, wenn Nervensägen an unseren Nerven sägen!“

Rhode zeigt es auch gleich, pickt sich jemanden aus der Gruppe Lehrer, und der muss jetzt den Widerspenstigen geben: Was, der Pauker will mein Handy? Ey, vergiss es, Alter – echt mal, ohne Witz!

Rudi Rhode spielt drei Varianten durch zwischen Blockwart und Labertasche – alleine dafür könnte er schon richtig Eintritt nehmen. Ein Prusten geht durch den Stuhlkreis, und „Pauker“ Rudi hat‘s, das Handy. Sein „Schüler“ lacht verblüfft, Rhode triumphiert: „Siebzig Prozent Gestik, Mimik, Stimmfall!“

 Wer lenken und führen wolle, müsse das  stets im Hinterkopf haben, schärfte Rhode als Referent jetzt Lehrern und Lehrerinnen unterschiedlicher Schulformen im Soester Petrus-Haus ein. Rhode: „Man kann Leute zulabern, man kann sie von der ersten Sekunde an voll vor den Kopf stoßen, man kann sich selber auch zum Weichei quatschen. Das alles wollen wir nicht – wir suchen die richtigen Schalter irgendwo dazwischen. Wir wollen fair sein, wir wollen wertschätzend sein – wir wollen aber auch konsequent sein – und jeder soll ohne Gesichtsverlust aus der Situation herauskommen. Das Gespür dafür lässt sich trainieren!“

 Eingeladen zum Seminar „Wenn Nervensägen an unseren Nerven sägen“ hatte Pfarrer Stefan Carl vom Schulreferat des evangelischen Kirchenkreises Soest. 20 Lehrerinnen und Lehrer durften mitmachen. „Der Bedarf gerade an diesen Seminarinhalten ist enorm“, erzählte er in einer Pause: „Lehrer sein ist nicht einfacher geworden. Schüler ticken anders als noch vor ein paar Jahren, und auch der Kontakt mit Eltern ist heute anders.“

Ob Eltern heute schwieriger seien? Carl lächelt wissend: „Nun ja, diesen Begriff der ‚Helikopter-Eltern‘ kennen wir alle. Auch hier brauchen Lehrer ein gutes Gespür dafür, wie Gespräche für beide Seiten mit einem guten Gefühl enden und auch Dinge positiv bewegen. Was unser Trainer hier vermittelt, kann auch beim Elternsprechtag helfen.“

Mal grundsätzlich: Werkzeuge wie diese gehörten eigentlich viel, viel stärker schon in die Grundausbildung aller Lehrer, findet Stefan Carl: „Fachwissen ist ja nicht alles: Lehrer müssen jeden Tag in schwierigen Situationen bestehen können. Und dabei sind wir alle nur Menschen: Wir stehen auf, wir haben unsere Sorgen und Nöte, wir haben gute und schlechte Tage – und dann geht es ab vor die Klasse, dann heißt es, eine professionelle Haltung einzunehmen, Probleme und Privates auszublenden, erfolgreichen Unterricht zu machen, eine gute Antenne für die Schüler zu haben. Das ist eine Herausforderung, jede Unterrichtsstunde neu...“.

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