Dramatische Schäden

Sanierung im Mauerwerk der Wiesenkirche wird weitere Millionen kosten

Oben an der Galerie sind die Schäden augenfällig (von links): Anna-Maria Bohnenkamp (Denkmalschutz Kreis Soest), Dr. Bruno Denis Kretzschmar (LWL Denkmalschutz), Dipl.-Ing. Gunther Rohrberg und Dombaumeister Jürgen Prigl. Fotos: Hans-Albert Limbrock

Jürgen Prigl berichtete auch im WDR über das Ausmaß der Schäden.

Soest. Eigentlich hat Dombaumeister Jürgen Prigl immer geglaubt „seine Wiesenkirche“ in- und auswendig zu kennen und daher abschätzen zu können, wie lange die Restaurierung noch dauern wird. Doch die jüngsten, äußerst ernüchternden Entdeckungen haben auch den versierten Fachmann mehr als überrascht.

 „Das ist wirklich dramatisch“, beschreibt Prigl den Zustand im Bereich der Traufengalerie sowie im Mauerwerk darunter und ergänzt: „Das sieht gefährlich aus und das ist es auch.“ Eher durch Zufall sind die Schäden entdeckt worden. Weil zum Einsetzen der restaurierten  Fenster in diesem Bereich ein hohes Gerüst aufgestellt worden ist, haben Prigl und seine Mitarbeiter diese Entdeckung machen können. Eine Entdeckung, auf die sie liebend gern verzichtet hätten. Die Sanierung dieses „Pfusch am Bau“ wird in die Millionen gehen.

Die Galerie in diesem Bereich besteht nicht aus massivem Stein, wie bisher angenommen, sondern aus Beton und ist anschließend grünlich angestrichen worden, sodass der Unterschied zum sonst verwendeten Stein vom Boden aus betrachtet nicht auffällt.

Zudem ist der Beton mit Eisen verstärkt worden. Dieses Eisen rostet nun und entfaltet dadurch buchstäblich eine eigene Sprengkraft im Beton. Eine Ausbauchung von zwanzig Zentimetern hat Prigl bereits entdeckt. Es sei nur eine Frage der Zeit, wann sich daraus kiloschweres Material löst und in die Tiefe stürzt. „Diese Dimension der Schäden“, so Prigl, „ist erschreckend. Wir werden das ab sofort im Auge behalten und ständig kontrollieren müssen.“

Erschwerend kommt hinzu, dass dort oben im Mauerwerk die Steinersatzmasse „Mineros“ zum Einsatz gekommen ist. „Das ist eine Art Spachtelmasse“, erklärt Dirk Pieper, verantwortlicher Architekt im Kirchenkreis Soest, und ergänzt: „Mineros war vor einigen Jahrzehnten mal sehr populär, wenn man Oberflächen gestalten wollte. Vor allem Ende der 70iger Jahre kam das auf und wurde dazu benutzt, erbärmlich aussehende Wandflächen wieder aufzuhübschen.“

Allerdings fehlten die nötigen Erfahrungen, wie haltbar dieses Material denn auf die Sicht von Jahrzehnten ist. Pieper: „Vor allem die Haftung mit dem Altstein ist das große Problem. Mit den Jahren löst sich das und fällt herunter.“

Aber Prigl wäre nicht Prigl, wenn er nicht schon unmittelbar nach Entdeckung der schadhaften Stellen alle Hebel in Bewegung gesetzt hätte, um das Problem in den Griff zu bekommen. Ein erster Hilferuf ist bereits Richtung Landesregierung abgesetzt worden, denn mit den vorhandenen finanziellen Mitteln im Budget ist das nicht zu schaffen.

„Das hier ist ein Sonderfall“, macht der Dombaumeister den besonderen Stellenwert der Wiesenkirche deutlich. Er hofft nun auf Forschungsgelder aus der Bundesstiftung Umwelt. Dann können Probebohrungen genommen werden, um das genaue Ausmaß des Schadens zu bestimmen und anschließend ein Sanierungskonzept aufstellen können.

Parallel dazu wurden bereits Sensoren für ein so genanntes „Riss-Monotoring“ eingesetzt. Sie reagieren auf Bewegungen im Stein und warnen so rechtzeitig vor eventuell herunterfallenden Steinen. Prigl: „Fakt ist, dass dort oben eine weitere große Aufgabe auf uns alle wartet.“

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