Ein Spalt ins Jenseits

Professor Dr. Markus Lüpertz erklärt „seine Fenster“ – 30 Jahre Förderverein Marienkirche

Professor Dr. Markus Lüpertz kam seinem Versprechen nach, die Lippstädter Marienkirche zu besuchen. Sehr zur Freude von Carsten Hess, Alexander Tschense und Volker Sturm. Fotos: Hans-Albert Limbrock

Die Marienkirche war an Allerheiligen mehr als gut gefüllt.

Mann der ersten Stunde: Volker Sturm

Versprach weitere Unterstützung: Jörg Deutschmann, Vorsitzender des Fördervereins

Erklärte seine Glasfenster: Professor Markus Lüpertz

Lippstadt. Er gilt als schwierig. Unnahbar. Einige sagen, er sei exzentrisch. Künstler halt. Die sind manchmal so. Doch wer Professor Dr. Markus Lüpertz an Allerheiligen in der Lippstädter Marienkirche erlebt hat, wird dieses (Vor)Urteil nicht bestätigen können. Vielmehr präsentierte sich der Düsseldorfer in höchstem Maße charmant, fast schon volksnah, in jedem Fall aber mit einer ungeheuren Ausstrahlung, viel Humor und auch einer gewissen Selbstironie.

Als die von ihm gestalteten Fenster vor guten einem Jahr eingesetzt wurden, musste der Künstler aufgrund anderer Termine passen. Umso erfreuter war der Förderverein Marienkirche, dass Lüpertz – ohne Zweifel einer der bedeutendsten Gegenwartskünstler in Deutschland – zum 30. Geburtstag des Unterstützerkreises seine Zusage gab, an der Feierstunde teilzunehmen.

Dabei diktierte auch dieses Mal der volle Terminkalender seine Anwesenheit: Von Lippstadt ging es zum Flughafen nach Paderborn, von dort nach Frankfurt und weiter nach Florenz. „Dort wartet schon meine Familie auf mich“, verriet er und ergänzte. „Wir stecken mitten in der Olivenernte.“ 5000 Bäume nennt er in der Toskana sein eigen und erklärte in munterem Plauderton, dass er in diesem Jahr auf eine deutliche bessere Ernte als im vergangenen Jahr hoffe: „Da hatten wir nur etwas über 100 Liter. Eine Katastrophe.“ Grundsätzlich gelte nämlich die Faustformel: Ein Olivenbaum gleich ein Liter Olivenöl.

Für Professor Lüpertz war der Besuch in der Marienkirche am 1. November eine Premiere: „Ich sehe die Fenster jetzt zum ersten Mal in der Kirche.“ Und er zeigte sich begeistert: „Mir gefallen sie sehr gut. Sie haben etwas Intimes, etwas Persönliches.“ Auch dass sich der Tag eher novembertrübe präsentierte, störte ihn nicht: „Das diffuse Licht bringt die Fenster regelrecht zum Glühen. Das hat was.“

In seiner kurzen Ansprache in einer gut gefüllten Kirche erklärte der Künstler, dass er eigentlich nicht viel zu den Fenstern sagen wolle: „Die sollen für sich sprechen.“ Wichtig sei es ihm, mit der Glasmalerei ein Mysterium zu schaffen, sodass man eine Vision wahrnehmen könne.

Der kreative Prozess bis zur Entstehung sei auch bei diesem Auftrag spannend und aufregend gewesen: „Man kämpft ständig um das Licht und die Farben.“ Es gehe darum, dass Licht im Glasfenster zu fangen: „Das ist dann die Erfüllung, wovon der Maler träumt. Die Farbe und das Licht  müssen im Glasfenster leben. Dann öffnet sich ein Spalt ins Jenseits. Das ist Teil der Herausforderung, die mich immer wieder reizt.“ Und mit Blick auf die vielen „ungestalteten Fenster“ im Lippstädter Gotteshaus schmunzelte er: „Sie haben hier noch viele freie Fenster. Da könnte man also durchaus weitermachen.“

Für den Förderverein erinnerte Vorsitzender Jörg Deutschmann anschließend noch einmal an die Anfänge, als 23 Lippstädter Bürger sich 1988 zusammengetan haben, um die Marienkirche künftig zu unterstützen: „Seitdem sind fast 850.000 Euro zusammengekommen – eine stolze Summe.“

Auch in Zukunft wird die Unterstützung des Fördervereins gefragt sein. Wenn im Jahr 2022 das 800-jährige Jubiläum der Kirche gefeiert wird, soll bereits ein Großteil der Innensanierung realisiert sein. Ein entsprechendes Gutachten, was alles gemacht werden muss und was es kostet, soll in den nächsten Tagen fertig sein.

Den Prozess zu den neuen Fenstern fasste Volker Sturm, Mann der ersten Stunde im Förderverein,  noch einmal zusammen und zeigte sich glücklich darüber, dass die gläsernen Kunstwerke zu einem Magneten für Lippstadt und darüber hinaus geworden seien.

Musikalisch begleitet wurde die stimmige Feierstunde durch Kantor Roger Bretthauer (Orgel und E-Piano) sowie Regina Rothenbusch-Streblow (Querflöte).

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