Partnerschaft auf Prüfstand

In Kamerun leidet die Evangelische Kirche zurzeit unter schweren Turbulenzen

Mit Elie Leuwe war ein profunder Kenner der Evangelischen Kirche Kamerun (EEC) zu Gast im Kreis Soest. Der hat Superintendent Dieter Tometten und Diakoniepfarrerin Margot Bell über die aktuell schwierige Lage informiert. Fotos: Hans-Albert Limbrock

Ging bei seinem Besuch in Soest hart mit seinen Glaubensbrüdern ins Gericht: Elie Leuwe.

Kreis Soest. Kamerun? Das ist alles andere als der berühmte Katzensprung. Über 5000 Kilometer Luftlinie beträgt die Entfernung von Soest in das Land an der Westküste Afrikas. Vielleicht ist das auch ein Grund dafür, dass die Partnerschaft mit dem Kirchenkreis Grand Nord, die seit 21 Jahren besteht und über Jahre für beide Seiten fruchtbar betrieben wurde, inzwischen arg ins Stocken geraten ist.

Ein viel entscheidender Grund aber liegt darin, dass sich die Evangelische Kirche in Kamerun (EEC) aktuell großen Querelen ausgesetzt sieht, die nach Einschätzung von Superintendent Dieter Tometten die Glaubensgemeinschaft dort  „nun vor eine Zerreißprobe stellt“.

Anlass zu dem schweren Konflikt ist die Wahl eines neuen Kirchenpräsidenten. Hierbei hat es offenbar große Unregelmäßigkeiten gegeben. Nach der Wahl von Präses Dr. Hendje Toya sind vetwa 400 zur EEC zählenden Gemeinden einige mit dessen Wahl unzufrieden und vor Gericht gezogen. Angeblich wurden deutlich mehr Stimmen für Toya ausgezählt, als es Wahlberechtigte gegeben hat. Gleichzeitig haben die Protest-Gemeinden erklärt, dass sie bei einer Niederlage vor Gericht aus der EEC austreten und eine  eigene Kirche bilden werden.

Bisher stehen eine Verhandlung und damit ein Urteil noch aus. Experten gehen ohnehin davon, dass es Jahre dauern kann, bis ein abschließendes Urteil gefällt wird. Diese unsichere Situation belastet auch die Partnerschaft zum Kirchenkreis Soest, da es schwierig ist, einen konkreten Ansprechpartner zu haben, mit dem belastbare Verabredungen getroffen werden können.

Elie Leuwe, seit mehreren Jahren zuständig für die Projektarbeit der EEC und ein profunder Kenner der Verhältnisse vor Ort in Kamerun, bestätigte bei einem Besuch im Kreis Soest, dass es Mauscheleien bei der Wahl gegeben habe und dass die Zukunft der  EEC derzeit ungeklärt sei.

Bei seinem Besuch im Kamerun-Ausschuss ging er zudem hart mit seinen Landsleuten ins Gericht: „Viele denken nur daran, wie sie sich die Taschen vollmachen können und nicht daran, was sie für die Gemeinschaft tun können.“

Ungeachtet der unsicheren Lage gibt es durchaus das Bestreben des Kirchenkreises Soest, die Partnerschaft wieder mit Leben zu füllen. Allerdings muss sie dafür komplett neu strukturiert werden, denn der Kirchenkreis Grand Nord existiert in seiner ursprünglichen Form ohnehin nicht mehr. Er wurde vielmehr in zwei Kirchenkreise aufgeteilt: Kirchenkreis Nord et Extreme Nord und den südlichen Kirchenkreis Adamaoua.

Deshalb müssten ein neuer Vertrag und ein neue Partnerschaft mit dem südlichen Teil geschlossen werden. Der Kamerun-Ausschuss des Kirchenkreises hat sich dafür ausgesprochen, eine neue Partnerschaft auf den neuen südlichen Teil zu beschränken. Außerdem  soll die Unterstützung des gut funktionierenden Manfred-Selle-Zentrums gewährleistet werden. Eine inzwischen fertiggestellte Evaluation soll nun die Entscheidung begleiten, ob und wie die Partnerschaft fortgeführt werden soll und kann.

MÄWe Regionalpfarrerin Margot Bell hofft auf den Abschluss eines neuen Vertrages: „Die momentan ungewisse Situation erschwert das natürlich. Wir sind vor allem darauf angewiesen, dass wir dazu klare Signale aus Kamerun bekommen. Sonst wird es schwierig.“

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