6. Oktober 2017

So klar es zum Ende dieses Jubiläumsjahres ist, dass die Reformation nicht nur aus Luther besteht, so wenig dürfte doch von Zwingli bekannt sein. Aber die Reformation wäre ohne ihn nicht vorstellbar. Mit seinen Predigten hat er zunächst sich selbst die Reformation erschlossen. Mit starkem Bezug zu Erasmus von Rotterdam und in kritischer Fernbeziehung zu Wittenberg. Als Prediger wurde er ans Züricher Großmünster berufen. „Dieser Dreck und Unrat soll aber hinausgefegt sein, damit die riesigen Summen, die ihr mehr als andere Leute für die unsägliche Dummheit des Heiligenkults ausgegeben habt, künftig den lebendigen Ebenbildern Gottes zugute kommen,“ predigte er 1528. Diplomatisch war das nicht. Zwingli sorgte für eine deutsche Bibelübersetzung, die bis heute aktualisierte Zürcher Bibel. Sie war noch vor Luthers Übersetzung vollständig. 

Weit war die Ausstrahlung seiner Predigten. In der Deutschschweiz entstand daraus die heutige reformierte Kirche.
Leider erkannte er nicht die heute so viel klarer benannten Abgründe von Gewalt und Aggression. Er rief zum Krieg auf und wurde in dessen Folge am 11. Oktober 1531 selbst umgebracht.
Seine Berufung auf „das Wort“ und sein Gedanke der christlichen Stadtgesellschaft sind jedoch bis heute wirksam und verdienen die kritische Aneignung. 

Dieter Tometten

Evangelischer Kirchenkreis Soest • Puppenstraße 3-5 • 59494 Soest • Telefon 02921 396-0 • info@kirchenkreis-soest.deImpressumDatenschutz